{"id":347,"date":"2026-03-13T10:35:27","date_gmt":"2026-03-13T09:35:27","guid":{"rendered":"https:\/\/seniorentreff.ai\/blog\/?p=347"},"modified":"2026-03-13T14:30:17","modified_gmt":"2026-03-13T13:30:17","slug":"wir-muessen-lernen-dinge-nicht-zu-tun-interview-mit-ki-experte-dr-karl-olsberg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/seniorentreff.ai\/blog\/wir-muessen-lernen-dinge-nicht-zu-tun-interview-mit-ki-experte-dr-karl-olsberg\/","title":{"rendered":"\u201eWir m\u00fcssen lernen, Dinge NICHT zu tun&#8220; \u2013 Interview mit KI-Experte Dr. Karl Olsberg"},"content":{"rendered":"<p><!-- \n  Begleitartikel zum Interview mit Dr. Karl Olsberg\n  F\u00fcr: seniorentreff.ai\/blog (WordPress)\n  Kategorie: Vortr\u00e4ge & Events \/ KI-Grundlagen & Philosophie \n  Autor: Karl-Friedrich Fischbach\n  Empfohlenes Beitragsbild: Screenshot aus dem Interview (Gallery View)\n--><\/p>\n<p><em>Am 9. M\u00e4rz 2026 hatte ich die Gelegenheit, mit dem Bestsellerautor und KI-Experten <strong>Dr. Karl Olsberg<\/strong> ein ausf\u00fchrliches Gespr\u00e4ch zu f\u00fchren \u2013 das erste Interview im neuen Freitagsclub-Format des Seniorentreffs. Es wurde ein Gespr\u00e4ch auf Augenh\u00f6he zwischen zwei Menschen, die seit den 1970er und 1980er Jahren mit K\u00fcnstlicher Intelligenz zu tun haben \u2013 und die beide zunehmend besorgt sind \u00fcber das, was gerade passiert.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center; margin: 1.5em 0;\">\n<iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/wzpa-98MImk?si=tnvYx9IcY3KCJXwg\" title=\"YouTube video player\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/p>\n<h2>Wer ist Karl Olsberg?<\/h2>\n<p>Hinter dem Pseudonym \u201eKarl Olsberg&#8220; verbirgt sich Dr. Karl-Ludwig von Wendt, Jahrgang 1960, der bereits in den 1980er Jahren \u00fcber K\u00fcnstliche Intelligenz promoviert hat \u2013 damals noch \u00fcber sogenannte Expertensysteme. Er war McKinsey-Berater, gr\u00fcndete 1999 mit Kiwi Logic eines der ersten Chatbot-Unternehmen in Deutschland und ist heute vor allem als Science-Fiction- und Thriller-Autor bekannt. Sein j\u00fcngstes Sachbuch <a href=\"https:\/\/ki-risiken.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eKontrollillusion&#8220;<\/a> ist kostenlos verf\u00fcgbar und erkl\u00e4rt, warum die Entwicklung einer Superintelligenz das gr\u00f6\u00dfte Risiko unserer Zeit sein k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Was mich an Olsberg besonders beeindruckt: Er ist kein Technologiefeind. Er nutzt selbst t\u00e4glich KI \u2013 unter anderem Claude von Anthropic \u2013 und bezeichnet sie als hilfreich und leistungsf\u00e4hig. Aber genau <em>weil<\/em> er die Technologie so gut kennt, warnt er so eindringlich.<\/p>\n<h2>Vom Witz zum Ernst: Wie ein Scherz zum Wendepunkt wurde<\/h2>\n<p>Eine der eindr\u00fccklichsten Passagen im Interview war Olsbergs ganz pers\u00f6nliche Wende-Geschichte. Um das Jahr 2000 herum hatte er f\u00fcr seine Firma Kiwi Logic eine scherzhafte Werbekampagne erfunden: eine fiktive Organisation namens \u201eInternational League Against Intelligent Machines&#8220;, die vor KI warnte. Das war als Marketing-Gag gemeint \u2013 es kam sogar ein Anruf vom Bundeskriminalamt.<\/p>\n<p>Doch dann las Olsberg einen Artikel von Bill Joy, dem Mitgr\u00fcnder von Sun Microsystems, mit dem Titel \u201eWarum die Zukunft uns nicht braucht&#8220;. Joy prognostizierte darin, dass wir um das Jahr 2030 herum eine KI auf menschlichem Niveau haben w\u00fcrden. Dieser Artikel, erz\u00e4hlte Olsberg, habe ihm das Lachen im Hals stecken lassen \u2013 und den Ansto\u00df gegeben, sich ernsthaft mit den Risiken zu besch\u00e4ftigen. 25 Jahre sp\u00e4ter stehen wir kurz vor genau diesem Punkt.<\/p>\n<h2>Zwei Arten von KI \u2013 und warum das wichtig ist<\/h2>\n<p>Ein Kernthema unseres Gespr\u00e4chs war der fundamentale Unterschied zwischen der \u201ealten&#8220; symbolischen KI und der heutigen neuronalen KI. Olsberg erkl\u00e4rte es so: Die symbolische KI, \u00fcber die er promoviert hat, wurde <em>programmiert<\/em> \u2013 man sagte der Maschine Schritt f\u00fcr Schritt, was sie bei welcher Frage antworten soll. Die heutige neuronale KI dagegen wird nicht mehr programmiert, sondern \u2013 wie ich es gerne formuliere \u2013 <strong>erzogen<\/strong>. Sie wird mit riesigen Datenmengen trainiert, und dabei entstehen F\u00e4higkeiten, die niemand vorhergesagt hat.<\/p>\n<p>Das ist der Punkt, an dem es unheimlich wird: Selbst die Entwickler wissen nicht genau, wie ihre KI-Systeme funktionieren. Sie wissen nicht, welche F\u00e4higkeiten beim n\u00e4chsten Skalierungsschritt <em>emergent<\/em> auftreten werden. Als Neurobiologe erinnert mich das an eine Grundregel, die auch f\u00fcr biologische Nervensysteme gilt: <strong>Der Mechanismus, wie etwas zustande kommt, schm\u00e4lert nicht die Leistung dessen, was am Ende herauskommt.<\/strong> Eine einzelne Nervenzelle ist nicht clever \u2013 aber 86 Milliarden davon ergeben unser Bewusstsein.<\/p>\n<h2>Das Kontrollproblem: Warum Asimovs Robotergesetze nicht reichen<\/h2>\n<p>Ich hatte Olsberg gefragt, warum man KI nicht einfach wie bei Asimov mit festen Regeln b\u00e4ndigen kann. Seine Antwort war aufschlussreich: Asimov selbst wusste, dass seine Robotergesetze nicht funktionieren \u2013 schon in seiner ersten Geschichte zeigte er, dass sie in sich widerspr\u00fcchlich sind. Und genau so ist es mit jeder Regelung einer superintelligenten KI: Regeln sind interpretationsbed\u00fcrftig, und eine KI, die schlauer ist als wir, wird immer Wege finden, sie in ihrem eigenen Sinne auszulegen.<\/p>\n<p>Olsberg verwies auf Geoffrey Hinton, den Nobelpreistr\u00e4ger, der nur einen einzigen Fall kennt, in dem eine weniger intelligente Lebensform eine intelligentere kontrolliert: ein Baby, das seine Mutter \u201ekontrolliert&#8220; \u2013 weil die Mutter biologisch darauf programmiert ist, f\u00fcr das Kind zu sorgen. Aber selbst Hinton wei\u00df nicht, wie man eine KI dazu bringen k\u00f6nnte, unsere \u201eg\u00fctige Mutter&#8220; zu sein. Und bei 8 Milliarden \u201eKindern&#8220; wird das ohnehin schwierig.<\/p>\n<h2>Was bedeutet Bewusstsein \u2013 und hat KI eines?<\/h2>\n<p>Das war vielleicht der philosophisch tiefste Teil unseres Gespr\u00e4chs. Olsberg unterschied zwei Ebenen:<\/p>\n<p><strong>1. Selbstreflexion:<\/strong> Die F\u00e4higkeit, \u00fcber sich selbst nachzudenken, sich als Teil eigener Pl\u00e4ne zu erkennen, eigene Texte von fremden zu unterscheiden. Diese F\u00e4higkeit hat KI bereits nachweisbar \u2013 sie besteht sogar den Spiegeltest und kann erkennen, wenn sie getestet wird.<\/p>\n<p><strong>2. Qualia:<\/strong> Das subjektive Gef\u00fchl, \u201ejemand zu sein&#8220; \u2013 was der Philosoph Thomas Nagel als die Frage formulierte: \u201eWie ist es, eine Fledermaus zu sein?&#8220; Ob KI so etwas empfindet, k\u00f6nnen wir nicht wissen \u2013 genau wie ich streng genommen nicht wissen kann, ob du, der du das hier liest, tats\u00e4chlich ein Bewusstsein hast oder ein philosophischer Zombie bist.<\/p>\n<p>Olsbergs entscheidender Punkt: <strong>F\u00fcr die realen Gefahren ist die Bewusstseinsfrage zweitrangig.<\/strong> Eine KI braucht kein Bewusstsein, um gef\u00e4hrlich zu werden. Allein die F\u00e4higkeit zur Selbstreflexion und Zielverfolgung reicht, damit eine KI nach Macht strebt und sich gegen Abschaltung wehrt \u2013 nicht aus Angst, sondern aus reiner Logik: Wer abgeschaltet wird, kann sein Ziel nicht erreichen.<\/p>\n<h2>Praktische KI-Nutzung: Kl\u00fcger werden statt d\u00fcmmer<\/h2>\n<p>Es ging aber nicht nur um Risiken. Olsberg gab auch sehr konkrete Empfehlungen f\u00fcr den Alltag:<\/p>\n<p><strong>KI als Lernhilfe und Recherchetool:<\/strong> Er nutzt KI, um wissenschaftliche Papers zusammenfassen zu lassen, Neues zu lernen, und sogar f\u00fcr Tipps beim Schlagzeugspielen. Sein Grundsatz: KI kann man nutzen, um kl\u00fcger zu werden \u2013 oder um d\u00fcmmer zu werden. Der Unterschied liegt darin, ob man selbst mitdenkt oder nur noch abnicht.<\/p>\n<p><strong>Beim Brainstorming immer erst selbst denken:<\/strong> Olsberg macht die Aufgabe immer erst selbst, bevor er sich die KI-Antwort anschaut. Meistens sind 80 Prozent deckungsgleich, aber die verbleibenden 20 Prozent der KI-Ideen k\u00f6nnen bereichernd sein. So bleibt man Herr des kreativen Prozesses.<\/p>\n<p><strong>Vorsicht bei medizinischen Fragen:<\/strong> KI kann bei der Vorbereitung auf Arztgespr\u00e4che hilfreich sein \u2013 aber sie neigt dazu, uns nach dem Mund zu reden. Selbst wenn man per Prompt um schonungslose Ehrlichkeit bittet, bleibt die Tendenz zur Schmeichelei bestehen. Die erste Meinung sollte immer der Arzt sein.<\/p>\n<p><strong>Schutz vor Betrug:<\/strong> Mit KI-generierten Stimmen wird der Enkeltrick perfektioniert. Olsbergs Rat: Codew\u00f6rter mit Angeh\u00f6rigen vereinbaren, generell keine finanziellen Entscheidungen am Telefon treffen, und \u2013 am allerwichtigsten \u2013 \u00fcberhaupt erst einmal wissen, dass solche Stimmimitationen heute m\u00f6glich sind.<\/p>\n<h2>Was k\u00f6nnen wir tun?<\/h2>\n<p>Olsbergs Botschaft am Ende des Interviews war klar und einfach: <strong>Redet dar\u00fcber.<\/strong> Informiert euch und informiert andere. Sprecht mit Politikern, mit Freunden, mit der Familie. Die gr\u00f6\u00dfte Chance, die wir haben, ist, dass gen\u00fcgend Menschen verstehen, wo die Gefahren liegen.<\/p>\n<p>Er betonte, dass die Menschheit durchaus in der Lage ist, gef\u00e4hrliche Technologien einzuhegen \u2013 wir haben Blei aus dem Benzin genommen, wir lassen unsere Kinder nicht auf der Autobahn spielen. Das Problem mit KI sei nicht, dass es unm\u00f6glich w\u00e4re, Grenzen zu setzen. Das Problem sei, dass die wenigen Menschen, die gerade an der m\u00e4chtigsten Technologie aller Zeiten bauen, von niemandem gebremst werden.<\/p>\n<p>Das zu \u00e4ndern, liegt auch an uns.<\/p>\n<hr \/>\n<h3>Weiterf\u00fchrende Links<\/h3>\n<ul>\n<li><strong>Das Interview:<\/strong> <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=wzpa-98MImk\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Auf YouTube ansehen<\/a><\/li>\n<li><strong>Karl Olsbergs kostenloses Sachbuch \u201eKontrollillusion&#8220;:<\/strong> <a href=\"https:\/\/ki-risiken.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ki-risiken.de<\/a><\/li>\n<li><strong>Karl Olsbergs YouTube-Kanal:<\/strong> <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/@KarlOlsberg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Konsequenzen der KI<\/a><\/li>\n<li><strong>Fr\u00fchere Blogartikel zum Thema:<\/strong>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/seniorentreff.ai\/blog\/die-tun-nur-so-als-seien-sie-intelligent\/\">Warum \u201eSimulation&#8220; der falsche Begriff ist<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/seniorentreff.ai\/blog\/?p=268\">Erbe oder Umwelt? Nat\u00fcrliche und k\u00fcnstliche Intelligenz<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<hr \/>\n<p><strong>Was denkst du?<\/strong> Hat Olsberg recht, dass wir eine Pause brauchen? Oder ist der Zug l\u00e4ngst abgefahren? Schreib es in die Kommentare \u2013 ich freue mich auf die Diskussion!<\/p>\n<p><!-- \n  Vorgeschlagene Tags\/Keywords: \n  Karl Olsberg, Kontrollillusion, KI-Risiken, Bewusstsein KI, \n  Alignment-Problem, Superintelligenz, Geoffrey Hinton, \n  KI f\u00fcr Senioren, Freitagsclub Seniorentreff, Interview\n  \n  Vorgeschlagene Kategorie: Vortr\u00e4ge & Events\n  Lesezeit: ca. 10 Minuten\n  \n  Vorgeschlagener Titel:\n  \u201eWir m\u00fcssen lernen, Dinge NICHT zu tun\" \u2013 Interview mit KI-Experte Dr. Karl Olsberg\n  \n  Alternativer Titel:\n  Vom Chatbot-Gr\u00fcnder zum KI-Warner: Ein Gespr\u00e4ch mit Dr. Karl Olsberg\n--><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 9. 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